Teilnehmer-Portraits

Herbert Mueller: Mit 70 ging's erst richtig los

Herbert Mueller © privat
Herbert Mueller © privat

BERLIN LÄUFT stellt seine Teilnehmer vor, Teil 8

Wo andere schon lange aufgehört haben, da ging es bei ihm gerade erst los. Bis zum 69. Lebensjahr hatte Herbert Mueller Fußball und Volleyball gespielt, aber dann dachte er sich: „Jetzt machst du mal etwas anderes, jetzt läufst du mal!“ Und das tat er. Zunächst lief er ein wenig in seiner Freizeit, dann bei diversen Volksläufen. Kurz darauf – mit 70 Jahren – kam der erste Halbmarathon, er schaffte ihn in 1:54:15. Zwei Jahre später war Herbert Mueller ganze zwölf Minuten schneller (1:42:21).

Ähnlich rasant steigerte er sich im Marathon. Bei seinem ersten Rennen über die 42,157 km im Jahr 2010 lief der damals fast 71-Jährige 4:05:31, ein Jahr später war er 18 Minuten schneller (3:47:16). Über die 10-km-Distanz startete er mit 49:53 Minuten, die er innerhalb von drei Jahren auf eine Bestzeit von 45:15 verbesserte.

Anfangs hat dem gelernten Koch das Laufen einfach Spaß gemacht. Er tat etwas für seine Gesundheit, und ihm gefiel die tolle Atmosphäre bei den Rennen. Trainiert hat er immer allein, nie im Verein. Sein trainingswissenschaftliches Wissen bezog er aus Fachliteratur und Zeitschriften. „Aber dann kam natürlich auch ein bisschen Ehrgeiz dazu“, sagt Herbert Mueller. „Dass ich mich so steigern konnte, wo alle gesagt haben, in dem Alter könne man sich nicht mehr verbessern, das hat mich natürlich enorm angespornt.“

Auch wenn der heute 76-Jährige nun keine neuen Bestzeiten mehr läuft, geht er nie ohne konkrete Zeitvorstellung an den Start. In diesem Jahr lautet das Ziel, alle 10-km-Rennen unter 50 Minuten zu laufen. Und im Halbmarathon möchte er irgendwo zwischen 1:48 und 1:50 Stunden landen. „Eine bestimmte Zeit vor Augen zu haben, motiviert mich“, sagt Mueller, der in seiner Alterklasse zumeist gewinnt und beim Berlin-Läuft-Cup schon zweimal vorne lag, „aber in erster Linie ist es noch immer der Spaß an den Läufen, der mich antreibt.“ Drei- bis viermal die Woche trainiert er, in der Regel läuft er zehn Kilometer. „Mit Tempo“, wie er sagt.

Seine Frau und er lieben das Reisen - aber auch dann sind die Laufschuhe immer im Gepäck. „Ohne Sport geht’s nicht“, sagt der Vater einer erwachsenen Tochter. „Wäre ja sonst kein Urlaub.“ Seine Frau – selbst keine Sportlerin – trägt es mit Fassung und steht bei jedem Rennen an der Strecke, um ihn anzufeuern. Und so wird er seine beiden Träume vielleicht tatsächlich verwirklichen können: einmal beim Marathon in Havanna zu starten und noch lange weiter lange Strecken zu laufen. Mindestens bis 80.

Text: Jutta Casdorff

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